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Liebe Freunde und Förderer der Sir Peter Ustinov Stiftung, 
 
Diesen Monat möchten wir in unserem Newsletter auf eine Frage eingehen, die uns immer wieder von unseren Spendern gestellt wird: Indien gilt als absolutes Aufstiegsland, die Wirtschaft boomt. Im Jahr 2004 stieg der Wert der gesamtwirtschaftlichen Produktion nach Angaben der Weltbank auf 691 Mrd. US-Dollar. Damit ist Indien in den Kreis der zehn größten Volkswirtschaften der Welt vorgestoßen. Wie kann es dann sein, dass trotzdem die Armen immer ärmer werden, dass ihnen von ihrem eigenen Staat nicht geholfen wird und dass wir nach wie vor unsere Spender dazu aufrufen müssen, diesen Menschen zu helfen? Sollte man nicht vielmehr die Unterstützung einstellen, damit die indische Regierung selbst zum Handeln gezwungen wird?

Die Peter Ustinov Stiftung hält nach wie vor an der Unterstützung für ihre Indien-Projekte fest. Und wir erklären in diesem Newsletter gerne, warum.

Herzliche Grüße

Ihr
Team der Peter Ustinov Stiftung

  Schwerpunkt September 2007: Indien

Indien ist nach den 1991 eingeleiteten Reformen auf dem Weg in eine soziale Marktwirtschaft. Die seit Mai 2004 neu gewählte Regierung um Präsident Dr. Manmohan Singh will die Reformen "mit menschlichem Antlitz" weiterführen und konzentriert sich vor allem auf die Verbesserung der Infrastruktur, insbesondere im ländlichen Raum, und Investitionen im Gesundheits- und Bildungsbereich. Die Privatisierung lief hingegen nur schleppend an und geriet in jüngster Zeit völlig ins Stocken.
Obwohl die indische Wirtschaft in Teilbereichen wie Informationstechnologie oder Pharmazie und die indische Forschung (z.B. Raumfahrt oder Biotechnologie) in die internationale Spitzenklasse aufgestiegen sind, hat das allgemein gute Wirtschaftswachstum der vergangenen 15 Jahre das Land nicht aus der Gruppe der Entwicklungsländer herausgebracht.
Etwa ein Viertel der über eine Milliarde Menschen in Indien (22%) lebt unterhalb der Armutsgrenze und muss mit weniger als einem US-Dollar täglich auskommen! Knapp 80 Prozent aller Menschen leben von bis zu zwei US-Dollar am Tag. Mehr als ein Viertel aller Inder sind Analphabeten. Über zwei Drittel aller Inder leben auf dem Lande, zum Teil unter mittelalterlichen Bedingungen. Grund für die Misere sind vor allem die Spätfolgen der sogenannten „Grünen Revolution“. Durch neue Hochertragssorten und den Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln wurde Indien in den 60er Jahren von Nahrungsmittelimporten unabhängig. So konnten etwa beim Weizenanbau Ertragssteigerungen bis zu 100 Prozent erzielt werden. Katastrophale Hungersnöte wie 1943 unter britischer Herrschaft im Unionsstaat Bengalen, bei der drei Millionen Menschen starben, gibt es in Indien seitdem nicht mehr.

Dennoch ist der Hunger nicht besiegt. Nach Angaben des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (World Food Programme, WFP) leben 50 Prozent der weltweit Hungernden in Indien. 35 Prozent der indischen Bevölkerung, also 350 Millionen Menschen, nehmen weniger als 80 Prozent der täglich erforderlichen Energiemenge zu sich. Neun von zehn schwangeren Frauen leiden unter Mangelernährung. Mehr als die Hälfte der Kinder unter fünf Jahren ist unterernährt.

Zugleich hatte die „Grüne Revolution“ verheerende Folgen für die Umwelt. Denn mit dem Einsatz von Düngemitteln und neuen Sorten ging eine Industrialisierung der Landwirtschaft einher, die traditionelle Anbaumethoden verdrängte und das Land teilweise chemisch verseuchte.
Auch das Wasser begann knapp zu werden, denn die industrielle Landwirtschaft braucht fünf Mal mehr Wasser als die traditionelle Landwirtschaft. Zudem ist der Output pro Hektar bei gemischten Anbauflächen größer. Aber inzwischen findet man überall fast nur noch Monokulturen. Beim Bau großer Staudämme wurden in den vergangenen 50 Jahren 14 Millionen Menschen von ihrem Land vertrieben. Die meisten landen im Slum einer Großstadt und arbeiten – wenn überhaupt – für einen derart geringen Lohn, der einen wirtschaftlichen Aufschwung durch billige Arbeitskräfte ermöglicht, von dem die arbeitenden Menschen selbst jedoch nicht profitieren. Der Wirtschaftsboom findet also buchstäblich auf dem Rücken der Armen statt.
Mit dem Beitritt Indiens zur Welthandelsorganisation (WTO) 1995 haben sich die Wirtschaftsbedingungen für die Bauern erneut verschlechtert. Denn durch die von den WTO-Regeln erzwungene Öffnung der Märkte 2001 strömen billige Agrarprodukte aus dem Ausland nach Indien. Seit dem WTO-Beitritt sind die Agrarimporte um 400 Prozent gestiegen, so importiert Indien etwa inzwischen 50 Prozent des benötigten Speiseöls. Nicht etwa, weil man es nicht selbst herstellen könnte, sondern weil es im Ausland billiger ist.
(Quelle: Auswärtiges Amt der Bundesrepublik Deutschland)

  Newsticker

September 2007: Reinhard Erös von der Kinderhilfe Afghanistan bringt verschleppten Jungen zurück nach Deutschland

Der Vater des zehnjährigen Jungen, Mohammad Rahimi, ein 55-Jähriger Usbeke mit deutschem Pass, hatte seinen Sohn Timur nach Afghanistan entführen lassen, um seine Frau zu erpressen. Nach neun langen Monaten nahm seine Mutter den Jungen am Münchner Flughafen wieder in Empfang.
Gelöst wurde der Fall durch die hartnäckigen Ermittlungen der Münchner Mordkommission 11 und mit Hilfe des ehemaligen Bundeswehrarztes Reinhard Erös von unserem Projektpartner, der Kinderhilfe Afghanistan. Er schleuste den Jungen von Afghanistan über Pakistan nach Deutschland.
Mehr Informationen dazu können Sie direkt auf der Website der Kinderhilfe Afghanistan finden.


10.09.07: Aachen - Josef Steinbusch und sein Kinderzirkus Pinocchio in Caransebes, Rumänien

Eigentlich wollten sie ja nach St. Petersburg und mit an AIDS erkrankten Kindern eine Zirkusvorstellung erarbeiten und aufführen - doch der Plan musste kurzfristig aufgrund organisatorischer Probleme vor Ort verschoben werden. Und dann ging alles ganz schnell: Ein Anruf bei den Franziskanerinnen in Salzkotten, die in Caransebeş eine Kindertagesstätte betreiben, ein Anruf bei den rumänischen Schwestern, und das neue Reiseziel stand fest. Samstagvormittag sind sie losgefahren. Wir werden berichten.

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