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Überschwemmung, Unterernährung, kriegerische Konflikte und ein fataler Streik von Air France – ein Interview mit der Leiterin der Hilfsaktion Noma e.V. über den Kampf gegen die Krankheit Noma und die aktuelle Situation im Niger


Liebe Freunde und Förderer der Sir Peter Ustinov Stiftung,
 

seit über 13 Jahren widmet sich die „Hilfsaktion Noma e.V.“, Projektpartner der Peter Ustinov Stiftung, dem Kampf gegen die Krankheit Noma. Die Gründerin und Leiterin dieses komplexen Hilfsprojekts, die ehemalige Regensburger Grundschullehrerin Ute Winkler-Stumpf, ist soeben von einer 3-wöchigen Reise durch den Niger zurückgekehrt und berichtet hier erstmals über ihre Erfahrungen und die dramatische Situation in dem westafrikanischen Land.

Der große humanitäre Einsatz zugunsten der kranken Kinder in Niger ist übrigens das erste Projekt, das die Peter Ustinov Stiftung gefördert hat. Derzeit unterstützen wir die Renovierungsarbeiten eines der 4 Kinderhäuser in Niger, finanzieren den Kauf von Medikamenten sowie die Ernährungsstationen zur Versorgung unterernährter Kinder im ganzen Land und fördern die dringend notwendige Aufklärung über die Krankheit. Noma, eine das Gesicht entstellende, die Kinder isolierende und häufig tödlich verlaufende Krankheit entsteht vor allem in Folge von Unterernährung. Dies ist ein Grund, weshalb sie gerade in Niger, einem der ärmsten Länder der Erde, auftritt.

In diesen Wochen hat sich die Lage im Niger dramatisch zugespitzt. Normalerweise ist das Land mit Dürren konfrontiert. Seit September dieses Jahres haben die Menschen am Südrand der Sahara mit einer Überschwemmungskatastrophe unbekannten Ausmaßes zu kämpfen. Die jährliche Regenzeit, an sich dringend benötigt für die Landwirtschaft, hat sich vom Segen zum Fluch entwickelt, hat Straßen, Häuser und Saatgut vernichtet und so die Ernährungssituation dramatisch verschärft. Mehr als dreieinhalb Millionen Menschen sind betroffen.

Herzliche Grüße

Ihr
Team der Peter Ustinov Stiftung

  Interview mit Frau Ute Winkler-Stumpf

Welche Auswirkungen hat die derzeitige Überschwemmung
auf die Arbeit der Hilfsaktion Noma e.V. ?


Vor allem außerhalb der Hauptstadt Niamey sind die katastrophalen Folgen überall sichtbar. Der Regen hat die Wege und Straßen überflutet; viele Auf der Fahrt nach Tahoua in der Höhe von Dogondoutchi.Häuser sind buchstäblich in den Fluten verschwunden. Die Ernährungssituation ist dramatisch. Die Hirse, das wichtigste landwirtschaftliche Erzeugnis, konnte nicht geerntet werden. Als Folge der Überschwemmung leidet das Land zusätzlich unter einer Heuschreckenplage, die zur Vernichtung auch des wenigen noch Vorhandenen beigetragen hat. Hinzu kommt die katastrophale Situation der Straßen, die zum Teil nur noch aus Schlamm und Schlaglöchern bestehen. Für uns ist diese Situation natürlich ein großes Problem, wenn wir die Kinder aus den entfernten Regionen des Landes bis zu 1400 km in die Hauptstadt Niamey bringen. Nur dort können sie operiert werden. Im Übrigen sind die Bemühungen um eine Verbesserung der Situation, u. a. durch die EU, bislang eher schleppend. (Bild: Auf der Fahrt nach Tahoua in der Höhe von Dogondoutchi.)


Was war der Hauptgrund Ihrer jetzigen Reise in den Niger?

Dr. Kober ist Zahnarzt und betreibt seit mehr als 20 Jahren eine Zahnklinik in Marbella. Er ist Mitglied bei der Hilfsaktion Noma e.V. und ist im Moment dabei, eine größere Reportage über die Hilfsaktion zu machen, die er selbst finanziert.Ich war vor 3 Wochen in den Niger gekommen, um den Einsatz unseres Ärzteteams aus Deutschland vorzubereiten. 35 Kinder hatten wir bereits mit unseren Geländewagen aus den verschiedenen Landesteilen in die Klinik nach Niamey gebracht [Anm. der Red.: Hierzu hatte die Peter Ustinov Stiftung auch einen Spendenaufruf gestartet]. Zu unserem großen Bedauern konnten die Ärzte aufgrund des Streiks von Air France die Reise in den Niger kurzfristig nicht antreten. Wir im Niger hatten das Problem, die Kinder wieder zu ihren Eltern zurück zu bringen und nicht zuletzt, ihnen diese Situation zu erklären. Eines der Kinder ist in den letzten Tagen verstorben. (Bild: Dr. Kober ist Zahnarzt und betreibt seit mehr als 20 Jahren eine Zahnklinik in Marbella. Er ist Mitglied bei der Hilfsaktion Noma e.V. und ist im Moment dabei, eine größere Reportage über die Hilfsaktion zu machen, die er selbst finanziert.)


Wie geht es jetzt weiter?

Wir stellen derzeit ein neues Ärzteteam zusammen, das Anfang 2008, noch im Januar, in den Niger fliegen wird, um dann die Operationen durchzuführen. Die Vorbereitungen für solch eine Aktion sind umfangreich, die Ärzte sind Spezialisten – plastische Chirurgen, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen und Anästhesisten – und benötigen Zeit zur Planung.


Außer den Kinderhäusern und den Operationen, was ist derzeit Ihr Hauptanliegen im Niger ?

Neben der Zusammenarbeit mit offiziellen Stellen und organisatorischer Arbeit geht es uns derzeit vor allem um Aufklärung und die Sensibilisierung der Familien für die Krankheit. Noma ist eine sehr heimtückische Krankheit. EntDr Kober war auf eigene Kosten im Niger und fuhr mit den Mitarbeitern in die Dörfer. Sie besuchten dort Kinder und nahmen einige mit zu den Operationen, die dann leider nicht stattfinden konnten.scheidend ist, dass die Mütter frühzeitig auf Symptome, zum Beispiel Mundgeruch, achten und die Kinder so schnell wie möglich in eines unser vier Kinderhäuser geben, wo sie mit Medikamenten, d.h. mit Antibiotika, behandelt werden können. Die Zeit zwischen dem ersten Auftreten der Symptome bis zu einem Stadium, das operationelle Eingriffe erfordert, beträgt manchmal nur eine Woche. Hierzu starten wir derzeit Aufrufe in allen regionalen Radiosendern und wir vergeben seit kurzem Kleinkredite im neuen Projekt „Oufanatt“, dies bedeutet „lebensnotwendig“, um den Familien beim Aufbau eines kleinen Geschäfts, z.B. dem Verkauf von Salz, Wasser, Zucker, Gewürzen, zu helfen. Insgesamt geht es uns um eine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der Familien, eine der wichtigsten Voraussetzungen im Kampf gegen Noma.


Wie ist die Zusammenarbeit mit den offiziellen Stellen im Land und die politische Situation im Land?

Mit den offiziellen Stellen arbeiten wir recht gut zusammen. Ein anderes Problem ist jedoch die angespannte politische Situation im Land. Seit Anfang dieses Jahres herrscht besonders in den Wüstenregionen ein Aufstand der Tuareg-Rebellenbewegung MNJ gegen die Regierung. Überfälle und Entführungen sind an der Tagesordnung und auch für uns sind die Straßen keineswegs sicher.


Wann werden Sie wieder in den Niger fliegen?

Meine nächste Reise wird am 20. Januar 2008 sein. Dann werde ich die Vorbereitungen für die Operationen vom 22. bis 29. Januar organisieren. Nach der Operationskampagne werde ich das neue Projekt: „Oufanatt“ für die Mütter der Nomakinder starten.


Vielen Dank für das Gespräch.

Lesen Sie hier im aktuellen Bericht "Noma-Kind" Alio ein Opfer des Streiks (PDF)

  Newsticker

Benefizkonzert bringt 3000 Euro für den Förderverein

Monheim: Die musikalische Weltreise hat sich gelohnt: Etwa 350 Zuhörer kamen am 10.11.2007 zum Benefizkonzert des Landespolizeiorchesters zugunsten des Fördervereins der Peter-Ustinov-Gesamtschule - und brachten damit etwa 3000 Euro zusammen. Ihnen wurde eine mitreißende Mischung aus den populärsten Musicals, Klassikern der Krimi-Musik und Evergreens aus dem Great American Songbook und von den Altmeistern des Bigband-Jazz geboten. Als Solist stand der Blues- und Jazzsänger Ken Jam auf der Bühne. Ein Konzert, so bunt und international wie die Schule selbst, an der 1200 Schüler aus 37 Nationen unterrichtet werden. Ein besonderer Höhepunkt: Zum ersten Mal wurde „Open Mind“ aufgeführt, die neue, von Chris Seidler komponierte Hymne der Peter Ustinov-Stiftung. (Quelle: Westdeutsche Zeitung, 12. November 2007 )


Gesetzesänderung bringt mehr steuerliche Vorteile für Spender

Am 06. Juli 2007 hat der Deutsche Bundestag das „Gesetz zur weiteren Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements“ verabschiedet. Der Bundesrat hat dem Gesetz am 21. September 2007 zugestimmt. Im Einzelnen bedeutet dies für Menschen, die helfen, mehr steuerliche Vorteile als bisher:
- Anhebung der Spendenhöchstgrenze auf 20 % des Gesamtbetrages der Einkünfte.
- Anhebung des Höchstbetrages für Spenden in den Vermögensstock einer Stiftung auf
  1.000.000,00 €.
- Vereinfachter Zuwendungsnachweis für Einzelzuwendungen bis zu 200,00 €.
- Einführung eines Freibetrages in Höhe von 500,00 € für ehrenamtliche gemeinnützige Tätigkeit.
Helfen lohnt sich jetzt also noch mehr!

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